Du hast auf die Musik in Deinen Filmen immer sehr viel Wert gelegt und zuletzt sogar einen
Dokumentarfilm über Musikausübung gedreht – "196 bpm" mit DJ Hell. Wie hast Du das
musikalische Konzept für "Die Nacht" erarbeitet, in der die "Lieder" ja schon im Titel vorkommen
und wo die wenigen Musikpassagen ganz präzise eingesetzt sind?
Romuald Karmakar: "196 bpm" und die verstärkte Beschäftigung mit elektronischer Musik, das
ist für mich etwas, das die Zeit wiedergibt, in der wir uns gerade befinden. In diesem Film habe
ich versucht, jeder Figur ihre Musik zuzuordnen. Ich habe mir überlegt: was hören die Eltern,
wenn sie nach Berlin fahren? Und ich fand es am besten, ihnen dieses Stück von Henry Purcell
zu geben, aus "King Arthur". Purcell hat ja ziemlich viel Theatermusik geschrieben – auch Musik
für den Moment vor der Vorstellung, damit die Leute eingestimmt werden, und dann die
sogenannten "Act Tunes" zwischen den Akten. Das habe ich in diesem Film übernommen. Der
Auftritt der Eltern – das ist, von schräg oben gefilmt, wie der Auftritt auf einer Bühne. Dann
haben wir uns überlegt, was Anne für Musik hört, wenn sie U-Bahn fährt. Was für eine Musik
hört Frank, wenn er zu Hause ist? Ich habe versucht, überwiegend deutsche Labels und deutsche
Künstler zu verwenden. Die "Swans" kamen ins Spiel, als wir bei den Proben Musik für Anne
gesucht haben. Da habe ich ein paar CDs vorgespielt, und dann meinte Frank, das könnte
genau die Musik sein, die er hört, wenn er auf dem Balkon steht und voller Sehnsucht auf sie
wartet. Dass er diese Musik für sich definiert hat, hat mir sehr gefallen – "Swans" hatte ich
zusammen mit "Metallica" gehört, als ich das Drehbuch zu "Totmacher" geschrieben habe. Für
mich ist die "Musik-Familie" genauso wichtig wie die Familie, deren Geschichte ich erzähle...
"Es geht um Liebe, die nicht mehr erfüllt wird
und um Hoffnung, die ausbleibt."
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