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Artist: Louis Tillett
Label: Normal Records
Die Kunst des Sterbens

In Louis Tillett neuestem Album geht es, wie immer, um den Tod

Der Australier Louis Tillett, der wie seine Landsleute Hugo Race oder Nick Cave zum Morbiden neigt, besingt seit je den Tod. Trauerstimmung kam bei seinen Konzerten trotzdem selten auf. Stets schlug der Pianist und Sänger mit leichter Hand den Bogen von den klassischen Komponisten der Romantik zu den Souljazzern der Sechziger. Dabei spielte er sich schon mal in ein auch für ihn nicht mehr recht überschaubares Geflecht aus Reprisen und Interludien, aus sakralem Harmoniegesang und federnden Blues-Rhythmen. Wenn der Künstler mal nicht weiterwusste, ließ er sich gerne von Zurufen inspirieren. So waren seine stärksten Auftritte eine Mischung aus Totenmesse und Gospel-Gottesdienst.

Schon auf dem ersten Solo-Album aus dem Jahr 1987 praktizierte der düstere Riese, der wie eine introvertierte Version des Doors-Sängers Jim Morrison wirkt, einen stilistischen Spagat. Auf "Ego Tripping at the Gates of Hell", so der Titel dieses Meilensteins, spielte er eine Art improvisierte Popmusik. Die Töne perlten aus seinem Piano wie beim Jazz-Star McCoy Tyner, doch Tillett sang über die frei schwebenden Akkordfolgen in schwarz schimmerndem Moll. Für ein anderes Stück des Albums coverte er eine Komposition des Jazz-Querschlägers und Black-Power-Aktivisten Roland Kirk: Den Gospel-Kracher "Volunteered Slavery", ein zentrales Stück der Bürgerrechtsbewegung, löste Tillett aus dem politischen Kontext und spielte ihn als klassischen Blues. Dazu gehörte schon Chuzpe.

Auch wenn Tillett zu einer der zentralen Figuren des australischen Untergrunds avancierte - zu Starruhm hat er es nie gebracht. Dabei hätte er mit seiner sonoren Stimme und der Vorliebe für griffige Metaphern das Zeug gehabt, ein zweiter Nick Cave zu werden. Aber Tillett, dessen Songs stets von Prozessen der Selbstauflösung erzählen, fehlte die Kontinuität. Wenn man sich Mitte der Neunziger bei der zuständigen Plattenfirma nach seinem Befinden erkundigte, bekam man schon mal ein Fax zurück: "Louis Tillett ist zu den Sternen geflogen". Eine blumige Umschreibung dafür, dass der Mann wieder zu viele Drogen genommen hatte.

Doch immer, wenn man glaubt, endgültig nichts mehr von ihm zu hören, erscheint ein neues Album. So wie jetzt "Learning to Die", in dessen Titel der 41-Jährige auf das eigene Image anspielt. Wieder taucht Tillett zu Jazz-, Gospel- und Blues-Klassik-Klängen in sein selbst geschaffenes Schattenreich ab. Doch im letzten Stück, "Morning Light", klingt der trübsinnige Koloss froh wie ein Kind, das zum ersten Mal eine Wunderkerze in der Hand hält.
Christian Buss, Berliner Zeitung


„Learning To Die“ (Normal). Seine Lebensphilosophie ist „Hoffnung durch Verzweiflung“. Tillett ist ein Mann, der irgendwie stets mit dem Tod kokettiert, der immer und ewig von Depressionen geplagt das Düstere sucht und froh ist, dass er es bisher immer wieder geschafft hat, überhaupt am Leben zu bleiben. Wenn der schwermütige Song-Poet aus Australien voller Seelenschmerz am Piano sitzt und uns den (Psycho-) Blues spielt, dann ist er nahezu genial, unschlagbar, dann erinnert er an Jim Morrison, Nick Cave und Tom Waits. Aber Louis Tillett ist einzigartig. Einzigartig gut. Und „Learning To Die“, das fünfte (offizielle) Album, ist dafür ein weiterer Beweis.
Bewertung: Herausragend
Bonner Illustrierte

     

a cast of aspersions

cry against the faith

egotripping at the gates of hell

learning to die
 

letters to a dream

the hanged man

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